⊕ Leseprobe Wie ich mich fühle —
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Wie ich mich fühle — Editorial von Oliver von FlotowDie Initiative BühnenfuxxEine große Anzahl von öffentlichen und privaten Institutionen setzt sich für das Wohl von Kindern und Jugendlichen ein. Studien belegen allerdings, dass viele junge Menschen das Gefühl haben insbesondere von der Politik nicht genügend ernst genommen zu werden. Die Initiative Bühnenfuxx möchte diese Situation verbessern und unterstützt Projekte, in denen junge Menschen mit künstlerischen Mitteln auf ihre Lebenswelt aufmerksam machen. „It’s so hard to grow up.“: Diese Zeile ist eine Antwort der 17-jährigen Steffi auf die Kernfrage der Initiative Bühnenfuxx: Was bewegt dich? Für Jugendliche in Steffis Alter sind Krisen der Normalzustand. In ihrer Grundschulzeit haben sie die Schicksale geflüchteter Kinder kennengelernt, in der Pubertät die Einschränkungen der Coronazeit erlebt und gleich danach die durch den Ukrainekrieg ausgelöste Kriegsangst gespürt. Sie sehen ihre Zukunftschancen durch den Klimawandel bedroht. Sie wachsen auf in einer komplexen, heterogenen und unübersichtlichen Welt und sind einer Vielzahl von divergierenden Einflüssen ausgesetzt. Und natürlich haben sie die Fragen, die junge Menschen oft bewegen: Wer bin ich und wohin gehe ich? Will ich wirklich erwachsen werden? Das Erlanger Christian-Ernst-Gymnasium hat sich von der Initiative Bühnenfuxx zu seinem interdisziplinären Projekt Wie ich mich fühle inspirieren lassen. Auf unterschiedliche Weisen haben sich Schülerinnen und Schüler dem Thema genähert, mit künstlerischen Mitteln ihre Gefühle ausgedrückt. Dabei war es für sie teilweise gar nicht so leicht, innerhalb des bewusst weit gehaltenen Themenrahmens Antworten zu finden: Ja, wie fühle ich mich eigentlich? Und wie kann ich das künstlerisch zeigen? Möchte ich es überhaupt zeigen? Herausgekommen sind nachdenklich machende, teilweise düstere, aber auch heitere und optimistische Beiträge, die in öffentlichen Veranstaltungen präsentiert wurden. Dieses Buch möchte Teile des Entstehungsprozesses nachzeichnen und Ergebnisse dokumentieren. In Gesprächen sagten mir einige Schülerinnen und Schüler, die Arbeit habe ihnen großen Spaß gemacht, nicht zuletzt wegen der im schulischen Kontext ungewohnt großen Freiheiten, die ihnen für die Ausgestaltung gegeben wurden. Zugleich äußerten sie den Wunsch, dass auch ihnen folgenden Jahrgänge eine Chance erhalten sollten, auf ihre Gefühle aufmerksam zu machen. Ich danke dem Schulleiter Herrn Dr. Kellner und den beteiligten Lehrkräften des Christian-Ernst-Gymnasiums für ihre Offenheit gegenüber den Zielen der Initiative und die qualitativ herausragende Umsetzung. „Es war fantastisch!“ schwärmte eine Besucherin nach der Theateraufführung. Einen besseren Pilotpartner für die Initiative hätte ich nicht finden können. Zum Schluss danke ich euch, liebe Schülerinnen und Schüler! Für eure Kunstwerke und für euren Mut, Gefühle zu zeigen. Das war sicher nicht immer leicht, denn nur allzu oft kostet es Überwindung, sich zu öffnen. Der französische Literat Daniel Goeudevert sagt dazu: „Es genügt nicht, Gefühle zu haben. Man muss auch fähig sein, sie auszudrücken.“ Ich hoffe, eure Kreativität begleitet euch weiterhin durchs Leben, auch und insbesondere wenn es gilt, abseits der Kunst Lösungen für kleinere, aber auch größere Aufgaben und Probleme zu finden. |